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WALTHAM Standpunkt

Ernährungsphysiologie

Bei der Behandlung von Futtermittelüberempfindlichkeit, Futterintoleranz und Diarrhöen anderer Ätiologien kann eine Diätnahrung indiziert sein, die eine limitierte Anzahl nicht reizender Futterkomponenten enthält.

 


Empfindlichkeit gegenüber einem bestimmten Futtermittel

"Empfindlichkeit" oder "allergische Reaktion" auf Futter sind zwei der gängigen Bezeichnungen für eine klinisch abnorme Reaktion auf die Aufnahme eines bestimmten Futtermittels, obwohl diese Termini nichts über die zugrundeliegende Ätiologie aussagen. Echte Allergien oder Überempfindlichkeiten sind immunologische Phänomene, die entweder durch Antikörper oder Immunkomplexe vermittelt werden oder eine zellvermittelte Reaktion darstellen. Wo ein immunologischer Mechanismus nicht nachgewiesen werden kann, ist die Bezeichnung "Futtermittelunverträglichkeit" oder "Futterintoleranz" passender. Futtermittelintoleranz kann aus der Unfähigkeit (oft durch Enzymmangel), ein bestimmtes Futtermittel entsprechend zu verdauen, resultieren. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine pharmakologische, metabolische oder toxische Reaktion.

Bei der Katze manifestiert sich eine solche Unverträglichkeitsreaktion üblicherweise als Hauterkrankung oder gastrointestinale Störung. In manchen Fällen sind sowohl Haut als auch Darm betroffen. Das am häufigsten beobachtete Symptom ist Pruritus. Generell lassen sich die klinischen Krankheitszeichen in verschiedene Kategorien einteilen:

  • Heftiger Juckreiz und ulzerative Dermatitis an Kopf und Nacken
  • Miliare, dermatitisähnliche Läsionen
  • Eosinophiles Granulom
  • Bilaterale symmetrische oder fokale Alopezie3,18

Bei Katzen, die unter einer Futtermittelüberempfindlichkeit leiden, kann es auch zur Manifestation von gastrointestinalen Symptomen kommen, und zwar entweder begleitend zu den Hautläsionen oder aber als getrennt auftretendes Krankheitsbild.7 Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Erbrechen2,7
  • Profuse, wässerige Diarrhoe7,14,16
  • Entzündliche Darmerkrankung, einschließlich plasmazellulärerlymphozytärer Kolitis9,15

Futtermittelüberempfindlichkeit wird als ein bei Katzen eher selten auftretendes Krankheitsbild betrachtet, obwohl sie in einigen wenigen Berichten beschrieben wird. Man nimmt an, dass Futtermittelüberempfindlichkeit für etwa 1 % aller in der tierärztlichen Praxis diagnostizierten Dermatosen von Hund und Katze kausal verantwortlich ist,16 und in ca. 11 % der Fälle die Ursache der felinen miliaren Dermatitis darstellt.13 Es ist behauptet worden, dass die Futtermittelüberempfindlichkeit die zweithäufigste allergische Hauterkrankung bei Katzen ist,12 doch spricht ein kürzlich veröffentlichter Bericht von nur 14 Fällen in fünf Jahren.18

Diese offensichtliche Diskrepanz in der beobachteten Häufigkeit des Auftretens mag sich durch das sogenannte "Schwellenphänomen" erklären lassen. Hauterkrankungen sind oft multifaktoriell bedingt, und die klinischen Symptome stellen die Manifestation einer Kombination von zugrundeliegenden ursächlichen Mechanismen dar. Eine Studie berichtet, dass bei drei von 14 Katzen mit Futterallergie der bestehende Juckreiz und die Hautläsionen durch die gleichzeitig vorhandene Flohbißallergie und Überempfindlichkeit gegen das Flohhalsband bzw. durch Atopie verursacht wurde.18 Fällt auch nur ein auslösender Faktor weg, so wird die klinische Schwelle unterschritten und das Tier ist symptomfrei. In den meisten Fällen geht der behandelnde Tierarzt von der Richtigkeit seiner Diagnose aus und verwirft den Gedanken, weiter nach den vielleicht zusätzlich bestehenden ätiologischen Faktoren zu forschen.

 


Futtermittelüberempfindlichkeit

Jedes Lebewesen, so auch die Katze, nimmt täglich eine Vielfalt von potenziell allergenen Nahrungsmitteln zu sich, doch kommt es dank der Schutzmechanismen im Gastrointestinaltrakt in der Mehrzahl der Fälle zu keiner Sensibilisierung. Dennoch kann es bei manchen Katzen zur Mobilisierung der Allergiemechanismen gegen ein spezifisches Antigen im Futter kommen, so dass jede weitere Aufnahme dieses Antigens zur Entwicklung klinischer Krankheitszeichen führt. Dabei ist es durchaus möglich, dass das Tier das betreffende Antigen schon über Wochen und Jahre gelegentlich oder sogar täglich zu sich genommen hat, ohne dass es zu irgendeiner Reaktion gekommen wäre.

Die immunologischen Mechanismen, die der Futtermittelallergie der Katze zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig erforscht, doch ist es wahrscheinlich, dass Reaktionen sowohl vom Soforttyp (Typ I und II) als auch vom verzögerten Typ (Typ IV) beteiligt sind. Überempfindlichkeitsreaktionen vom Soforttyp treten binnen Minuten bis Stunden auf, während verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen mehrere Stunden bis Tage benötigen.
Die meisten der Hauptinhaltsstoffe von Katzenfutter bergen ein gewisses Potential für allergische Reaktionen in sich. Dazu zählen unter anderen Proteine, Lipoproteine, Glykoproteine, Lipopolysaccharide und Kohlenhydrate. Dennoch sind es am häufigsten Proteine, die als verantwortliches Allergen identifiziert werden. Kuhmilch und Rindfleisch sind für die Mehrheit aller bei der Katze beobachteten Überempfindlichkeitsreaktionen verantwortlich.

 


Futtermittelintoleranz

Futtermittelintoleranz ist eine nichtimmunologische, abnorme physiologische Reaktion auf einen Bestandteil der Nahrung. In vielen Fällen liegt die Ursache der Futterintoleranz in einer Futteridiosynkrasie, bei der das Tier aufgrund eines Enzymdefekts nicht in der Lage ist, eine bestimmte Nahrungskomponente zu verdauen bzw. zu verarbeiten. Zusätzlich können auch toxische, metabolische oder pharmakologische Reaktionen beteiligt sein. So enthalten manche Produkte eine pharmakologisch aktive Substanz, insbesondere vasoaktive Amine wie Tyramin oder Histamin, oder einen Stoff, der die Freisetzung einer entzündungsverursachenden Mediatorsubstanz wie z.B. Histamin auslöst.

Laktoseintoleranz tritt bei Katzen auf, deren Laktaseaktivität im Dünndarm nur gering ist. Diese Tiere verfügen folglich über eine begrenzte Fähigkeit, die in der Milch und in Milchprodukten enthaltene Laktose zu hydrolysieren. Nach der Entwöhnungsphase verringert sich der Laktasespiegel des Bürstensaums; werden übermäßige Mengen Milch aufgenommen, verbleibt die unverdaute Laktose im Darmlumen. Dies führt zu osmotischer Diarrhoe5 und ermöglicht die Proliferation von laktosefermentierenden Bakterien. Noch verwirrender kann sich das klinische Krankheitsbild darstellen, wenn zusätzlich eine Allergie gegen Kasein oder ein anderes Milcheiweiß besteht.

Erstes Ziel der Behandlung von Futtermittelüberempfindlichkeit und -intoleranz ist es, eine ausgewogene Diät zusammenzustellen, bei der das Tier symptomfrei ist. Dies setzt voraus, dass das verantwortliche Allergen identifiziert wurde und bei der Gestaltung der Ration weggelassen wird. Das Füttern von Eliminationsdiäten, die nur ausgewählte Proteine enthalten, ist als diagnostisches Hilfsmittel, aber auch als Therapieform bei Futtermittelüberempfindlichkeit von Katzen empfohlen worden.8

Liegt der Verdacht auf eine alimentär bedingte Überempfindlichkeitsreaktion vor, ist als erstes eine genaue Liste aller der Katze gefütterten Nahrungskomponenten zu erstellen. Darin sollte, wenn möglich, alles, was die Katze in den vorangegangenen vier Wochen zu sich genommen hat, enthalten sein. Eine generelle Information über die Art des Futters, das der Patient bislang in seinem Leben erhalten hat, sollte ebenfalls eingeholt werden. Aufgrund dieser Aufstellung ist es unter Umständen bereits möglich, eine oder mehrere Futterkomponenten zu identifizieren, die in letzter Zeit neu hinzugekommen waren. Auf dieser Basis kann für den einzelnen Patienten unter Weglassung der verdächtigen Komponenten bereits eine "hypoallergene" Eliminationsdiät zusammengestellt werden. Ist dies nicht möglich, sollte eine Restriktionsdiät gefüttert werden, die nur ein oder zwei potenzielle "Allergene" enthält, wobei dies vorzugsweise solche sein sollten, die die Katze im vorangegangenen Monat nicht zu sich genommen hat.

Ist das die Überempfindlichkeitsreaktion auslösende Allergen erst identifiziert, so sind die meisten Fälle von Futtermittelintoleranz letztendlich dadurch in den Griff zu bekommen, dass eine handelsübliche Fertigdiät verabreicht wird, die jene Komponente nicht enthält. ROYAL CANIN Sensitivity Control erleichtert die Diagnosestellung beträchtlich, da dieses Alleinfutter nur Eiweiß aus Huhn oder Ente und Reis enthält. Diese Proteinquellen wurden gewählt, weil sie kaum als Allergene identifiziert wurden18 und in anderen Eliminationsdiäten1,4,7,11,13 und therapeutischen Diäten1,14 für Katzen mit Futtermittelüberempfindlichkeit erfolgreich verwendet worden sind. Es sei allerdings vermerkt, dass einige wenige Tiere auf hypoallergene Fertigdiäten sehr wohl reagieren, nicht jedoch auf eine selbst zubereitete Diät gleicher Inhaltsstoffe. Dies legt die Empfehlung nahe, in der Anfangsphase der Therapie das Diätfutter selbst zuzubereiten. Ist dies erfolgreich, kann langsam auf ROYAL CANIN Sensitivity Control als geeignete Alternative umgestiegen werden.

 


Gastrointestinalerkrankungen

Die Rolle der Nahrung in der Ätiologie der felinen Diarrhoe ist bislang nicht geklärt, und obwohl man oft von einer alimentären Beteiligung ausgeht, sind die konkreten, spezifischen Beispiele doch rar.9,16 Laktoseintoleranz ist, wenn Milchprodukte gefüttert werden, wahrscheinlich der am häufigsten beteiligte Mechanismus, obwohl die Möglichkeit einer Allergie gegen Kuhmilchprotein nicht vernachlässigt werden sollte.

Gastrointestinalerkrankungen mit ihren Manifestationen in Form von Diarrhoe oder Vomitus können durch eine ganze Reihe von zugrundeliegenden Mechanismen verursacht werden. Futtermittel können allein aufgrund der Tatsache, dass ihre Verdauung im Darm abläuft, selbstverständlich beteiligt sein, doch sind sie als ätiologischer Faktor wesentlich seltener involviert als z.B. Parasiten, Fremdkörper oder Neoplasien. Dennoch muß die Frage nach der Ernährung eines Patienten mit Darmproblemen immer ein grundlegender Bestandteil jeder Anamnese sein. Auch wenn keine Intoleranz oder Überempfindlichkeit vorliegt, kann falsche Ernährung oft eine vorhandene Erkrankung verschlimmern.

Es scheint, dass Kolitis oder andere entzündliche Darmerkrankungen bei der Katze seltener vorkommen als beim Hund. In jedem Fall ist die Ätiologie vielfach ungeklärt, wiewohl eine alimentär bedingte Überempfindlichkeit bei der plasmazellulär-lymphozytären Kolitis der Katze vorzuliegen scheint.9

Bei jeder Gastrointestinalerkrankung der Katze ist die absolute Ruhigstellung des Darms in der Anfangsphase der Behandlung von elementarer Wichtigkeit. So gilt für die akute Diarrhoe z.B. eine vollständige Nahrungskarenz während 24-48 Stunden. Bei chronischen Erkrankungen erzielt man die besten Ergebnisse mit Diäten, die mit ihrer Verdauung den Gastrointestinaltrakt so wenig wie nur möglich belasten. Im Idealfall ist eine solche Diät auch weitestgehend "hypoallergen". Im Gegensatz zu Hunden tolerieren Katzen, besonders wenn sie an Durchfall leiden, Stärke weniger gut, weshalb ihre Diät mehr Eiweiß als Kohlenhydrate enthalten sollte.17

Eine Beschränkung des Fettgehaltes der Nahrung zur Besserung der Steatorrhoe scheint bei Katzen weniger von Bedeutung zu sein als bei Hunden. Tatsächlich konnte bei etlichen Katzen mit Diarrhoe beobachtet werden, dass sie bei Diäten mit mäßigem oder hohen Fettgehalt eher bessere Genesungsfortschritte machten.6

Eine möglichst reizfreie Diät mit einer minimalen Anzahl von potenziellen Allergenquellen ist daher zur Diagnosefindung und Therapie bei Futtermittelüberempfindlichkeit und Futterintoleranz indiziert. Für Katzen, die unter Diarrhoe leiden, ist eine leicht verdauliche, "hypoallergene" Diät, die den Verdauungstrakt so wenig wie möglich belastet, die zuträglichste Ernährung. Die diätetische Therapie bei den genannten Krankheitsbildern kann am erfolgreichsten mit Diätfutter erzielt werden, das nach folgenden speziellen Richtlinien zusammengesetzt ist:

 


Protein

Proteingehalte sollten nicht reduziert sein, doch von einer möglichst geringen Anzahl von Proteinlieferanten stammen.

Von allen Hauptbestandteilen der Nahrung sind es Proteine, die am häufigsten als Allergene an Überempfindlichkeitsreaktionen beteiligt sind. Eiweiß aus Kuhmilch, Rind- und Lammfleisch ist nachweislich für eine signifikante Anzahl von Fällen von Futterintoleranz bei der Katze verantwortlich.

Für die diätetische Behandlung von Katzen mit Diarrhoe sollte der Eiweißgehalt der Diät nicht reduziert sein, weil manche Tiere am Eiweiß-Malabsorptions- oder Eiweißverlustsyndrom (exsudative Enteropathie) leiden. Chronischer Durchfall kann, auch wenn er nur relativ kurze Zeit andauert, eine negative Stickstoffbilanz herbeiführen. Daher ist es wichtig, dass die verabreichte Diät einen ausgewogenen Gehalt an Aminosäuren in leicht resorbierbarer Form enthält.

  • Der Proteingehalt von ROYAL CANIN Sensitivity Control stammt ausschließlich von Huhn bzw. Ente und Reis oder Capelin und Tapioca.

Das enthaltene Eiweiß ist von biologisch hochwertiger Qualität und leicht verdaulich.

Der Eiweißgehalt von ROYAL CANIN Sensitivity Control ist dem eines Premium-Feuchtfutters vergleichbar.

  • ROYAL CANIN Sensitivity Control enthält kein Gluten, da dieses Getreideprotein häufig mit Überempfindlichkeitsreaktionen in Zusammenhang gebracht worden ist.7

Fett

Ein mäßiger Fettgehalt kann therapeutisch von Nutzen sein.

 

Fett ist nicht nur eine Energiequelle, sondern es liefert auch die essenziellen Fettsäuren und ist Träger der fettlöslichen Vitamine, einschließlich Vitamin A. Die essenziellen Fettsäuren und Vitamin A sind an der Geweberegeneration beteiligt und sind daher gerade für Katzen mit Hautläsionen von therapeutischem Nutzen.

Klinische Untersuchungen am WALTHAM® Zentrum für Heimtierhaltung und -ernährung haben nachgewiesen, dass sich die Kotqualität von Katzen mit Diarrhoe deutlich rascher bei einer aus Hühnerfleisch und Reis bestehenden Diät mit mäßigem Fettgehalt besserte als bei fettarmer Diät. Die Wahl von mäßig fetthaltigen Diäten zur Behandlung dieser Krankheitsbilder ist von anderen Autoren bestätigt worden.6

Die zwei verschiedenen Varianten von ROYAL CANIN Sensitivity Control haben unterschiedliche Fettgehalte:

  • ROYAL CANIN Sensitivity Control
    Huhn mit Reis (Frischebeutel): ca. 33,5 % Fett
  • ROYAL CANIN Sensitivity Control
    Ente mit Reis (Frischebeutel): ca. 30,5 % Fett

    (% Fett jeweils in der Trockensubstanz)

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sollten hoch verdaulich sein.

 

Die von Reis und Tapioca stammende Stärke ist wesentlich besser verdaulich als Maisstärke (oder Stärke von anderen Getreidesorten). Reis- bzw. Tapiocastärke stellt für den Dünndarm eine nur geringe Belastung dar und die gelieferte Energie wird rasch resorbiert.

  • ROYAL CANIN Sensitivity Control enthält Reis.
  • ROYAL CANIN Sensitivity Control enthält keine Milchprodukte und ist daher laktosefrei.

Klinische Studien

1) Die Anwendung von "Sensitivity Control" als therapeutische Unterstützung der Behandlung von alimentär bedingter allergischer Dermatitis

 

Hauterkrankungen sind oftmals multifaktoriell bedingt, so dass die Therapie meist an mehr als einer Front ansetzen muß. Die diätetische Behandlung mit "Sensitivity Control" war bei der Therapie von alimentär bedingter allergischer Dermatitis in jedem Fall erfolgreich, wie die nachstehend angeführten Fallbeispiele dokumentieren:


Fall 1

 

Eine 2 Jahre alte, männliche Siamkatze wurde mit einer 10-monatigen Krankengeschichte von exzessiver Fellpflege durch Belecken mit daraus resultierender symmetrischer Alopezie im dorsalen Bereich des Rumpfes vorgestellt. Bei der Untersuchung zeigte sich ein gut definiertes Areal mit Hypotrichose, sowie hyperpigmentiertes Haarkleid über der dorsalen, lumbosakralen Wirbelsäule (Abb. 1). Eine Flohbekämpfung am Tier und in der Umgebung der Katze sowie eine systemische Glukokortikoidtherapie blieben ohne Wirkung. Neben der Fortführung des Flohbekämpfungsprogramms wurde dem Patienten eine aus Hühnerfleisch bestehende Restriktionsdiät verordnet. Nach drei Wochen hatten sich die Symptome signifikant gebessert. Die Provokation mit der ursprünglichen Ernährung führte innerhalb von fünf Tagen zum Rückfall, und weitere Provokationstests deckten eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber bestimmten Fleischprodukten auf, wobei Milch, Käse, Fisch, Rindfleisch und Kaninchenfleisch gut vertragen wurden. "Sensitivity Control" wurde von dieser Katze gut vertragen und es kam zu keinem Rückfall.

 


Fall 2

 

Eine kastrierte, männliche Perserkatze, die aus einer geschlossenen Katzenkolonie von 14 Tieren stammte, wurde mit generalisiertem Juckreiz und selbst zugefügten Hautläsionen vorgestellt. Bei der Untersuchung fand sich eine extensive Dermatose mit Schuppen- und Krustenbildung, fleckenförmiger Alopezie und schwerer Exkoriation am Nacken (Abb. 2). Obwohl sich die Diagnose auf Dermatophytose bestätigte und Microsporum canis in der Pilzkultur identifiziert werden konnte, brachte die Biopsie auch Hinweise auf eine zugrundeliegende Überempfindlichkeit. Die Katze wurde systemisch mit Ketoconazol und topisch mit Enilconazol behandelt, worauf sich Schuppen, Krusten und die fleckigen Alopeziebereiche rasch besserten. Da der Pruritus und somit auch die selbst zugefügten Läsionen jedoch weiterbestanden, wurde die Katze auf eine Diät aus Hühner- und Kaninchenfleisch umgestellt. Das Ergebnis war ein Sistieren aller bisherigen Krankheitszeichen. Eine nachfolgende Provokation mit Rindfleisch führte binnen drei Tagen zum Rückfall. Die anschließende Umstellung der Diät auf "Sensitivity Control" wurde von der Katze gut toleriert und das Tier blieb symptomfrei.

 


Fall 3

 

Eine zweijährige, sterilisierte weibliche Katze wurde nach abruptem Beginn einer Dermatitis an Gesicht und Ohren, sowie mit selbst herbeigeführtem Haarverlust der Klinik vorgestellt. In der Krankengeschichte wurde auch Vomitus erwähnt. Nach der Fütterung mit "Sensitivity Control" während drei Wochen war eine signifikante Besserung der Symptome zu verzeichnen. Es ist davon auszugehen, dass auch das Erbrechen auf die ursprüngliche Ernährung der Katze zurückzuführen war.

 

Fall 4

 

Eine weibliche Perserkatze, 2 Jahre alt, zeigte bei der Erstuntersuchung Juckreiz und leichtes Erythem an Kopf und Extremitäten. Es bestand auch Haarausfall und Schorfbildung. Auch hier wurde durch die Umstellung der Ernährung auf "Sensitivity Control" und ohne jegliche Medikation nach vier Wochen eine signifikante Besserung erzielt. Nach sechs Wochen war noch leichter Pruritus vorhanden, doch kam es zu keinerlei Hautläsionen.

 

 

(2) Die Anwendung von"Sensitivity Control" bei der Behandlung von Darmerkrankungen durch Futtermittelüberempfindlichkeit

 

Die nachstehenden Fallberichte belegen den erfolgreichen Einsatz von"Sensitivity Control" bei der Behandlung von Gastrointestinalerkrankungen von Katzen besonders in jenen Fällen, wo von einer zugrundeliegenden Überempfindlichkeit gegenüber einer Futterkomponente ausgegangen werden muß.

 

Fall 5

 

Ein 5-jähriger, kastrierter Kater wurde der Klinik vorgestellt, nachdem sich aus anfangs weichem Kot innerhalb von zwei Wochen Diarrhoe entwickelt hatte. Zusätzlich erbrach das Tier etwa ein bis zweimal am Tag. Routineblutbild, blutchemische Untersuchungen und Harnanalyse waren unauffällig, und die durchgeführten Flotationstests konnten keine Parasiten in den Fäzes nachweisen. Ein erstes RAST-Screening (Radio-Allergo-Sorbent-Test) ergab einen Verdacht auf eine Überempfindlichkeit gegenüber Lamm- und Rindfleisch. Nach einer 10-tägigen Behandlung mit Tylosin (100 mg 3x täglich) zeigte sich keine Besserung, so dass nach einer eintägigen absoluten Nahrungskarenz eine Eliminationsdiät auf der Basis von Fisch und Reis begonnen wurde. Bei der Nachuntersuchung nach 7 Tagen hatte das Erbrechen aufgehört, doch war die Kotkonsistenz nach war vor weich.

Dem Katzenhalter wurde in der Folge angeraten, die Ernährung seines Tieres auf ein ausschließlich aus Hühnerfleisch und Reis bestehendes Fertigdiät-Feuchtfutter ("Sensitivity Control") umzustellen. Während der Diät kam es zum Sistieren des Vomitus und die Kotqualität war normal. Nach zwei Monaten erfolgte die Provokation mit dem ursprünglichen Fertigfutter, was nach drei Tagen wieder zur Entwicklung breiförmiger Fäzes führte. Nach Rückkehr zu "Sensitivity Control" normalisierte und verfestigte sich der Kot innerhalb von vier Tagen. Eine nach vier Monaten durchgeführte klinische Untersuchung dieses Patienten ergab, dass die Katze in bestem Gesundheitszustand war und dass es zu keinem erneuten Auftreten der Krankheitszeichen gekommen war.

 

 

(3) Untersuchungen zur Ätiologie der Dermatitis an Katzen mit Verdacht auf allergische Hauterkrankungen

 

In dieser prospektiven Studie wurden bei einer Reihe von Katzen mit Symptomen einer offensichtlich allergischen Hauterkrankung die Ursachen der Dermatitis untersucht.10 Bei 20 Katzen erfolgte eine komplette diagnostische Bewertung einschließlich Intradermaltest und strikter Flohbekämpfung sowie einer 4-monatigen Stabilisierungsphase mit "Sensitivity Control" und darauffolgender Provokation mit dem ursprünglichen Futter der Katzen. Die Akzeptanz der Diät war gut. Wesentliche Gewichtsveränderungen waren während der gesamten Dauer der Studie bei keiner der Katzen zu beobachten.

Die klinischen Parameter zeigten nach Provokation mit der ursprünglichen Diät bei den Katzen keine signifikanten Veränderungen. Bei einer individuellen Punktebewertung des klinischen Bildes war nur bei einer der 20 Katzen eine Verschlechterung nach Provokation zu beobachten. Allerdings hatte sich bei dieser Katze (die an Flohbißallergie litt) bereits gegen Ende der Stabilisierungsperiode eine Verschlechterung der klinischen Symptome abgezeichnet. Unter den häufigsten abschließenden Diagnosen waren allergische Flohbißdermatitis (7 Fälle) sowie allergische Flohbißdermatitis in Verbindung mit Atopie (7 Fälle). Drei weitere Katzen, die allerdings frühzeitig aus der Studie ausschieden, waren ebenfalls als atopisch bewertet worden. In keinem Fall konnte ein primärer ursächlicher Zusammenhang mit Futtermittelüberempfindlichkeit hergestellt werden. Dies bestätigen frühere Untersuchungsergebnisse, nach denen Futtermittelüberempfindlichkeit nur selten die Ursache allergischer Hautkrankheiten bei Katzen ist.

 

 

(4) Prävalenz der Futtermittelüberempfindlichkeit bei Katzen mit chronischem Juckreiz, Erbrechen und Diarrhoe

 

Ziel dieser Studie war die Bestimmung der Prävalenz der Futtermittelüberempfindlichkeit bei Katzen mit chronischem Juckreiz, Erbrechen und Diarrhoe sowie die Identifizierung eventuell verantwortlicher Futterkomponenten.7 Die Untersuchung an der Kleintierklinik der Massey University erfolgte an 128 Patienten, die mit den Primärsymptomen Pruritus (61), chronisches Erbrechen (29), Durchfall (26) bzw. mit einer Kombination aus diesen Krankheitszeichen vorgestellt worden waren. Alle Katzen wurden nach einem standardisierten Diagnoseprotokoll mit dem Ziel untersucht, die Ursache der Symptome zu identifizieren. Konnte keine bestimmte Krankheitsursache gefunden werden, erhielten die Tiere drei bis acht Wochen lang "Sensitivity Control" (Huhn & Reis / Wild & Reis). Bei Remission wurde eine Provokationsdiät, nämlich das ursprüngliche Futter der Katzen, verabreicht. Kam es darauf zum Rückfall, erhielten die Tiere wieder "Sensitivity Control". Die Diagnose "Futtermittelüberempfindlichkeit" wurde dann gestellt, wenn die Krankheitssymptome bei Fütterung von "Sensitivity Control" wieder verschwanden. Alle Katzen mit diagnostizierter Futtermittelüberempfindlichkeit wurden im Anschluß daran wöchentlich wechselnden Testrationen mit bestimmten Futterproteinen und -zusatzstoffen ausgesetzt, um das Allergen zu identifizieren.

Bei zehn Katzen mit Juckreiz (16 %), drei Katzen mit Vomitus (10 %), vier Tieren mit Durchfall (15 %) und fünf mit Pruritus in Verbindung mit gastrointestinalen Symptomen (42 %) wurde die Diagnose "Futtermittelüberempfindlichkeit" gestellt. Zu den auslösenden Futtermitteln zählten Trockenfutter (6), Feuchtfutter (4), Rindfleisch (5), Lamm (3), Hühnerfleisch (1), Milch (1), Fisch (1), Innereien (2), Gluten (1) und Zusatzstoffe (1). Einige allergische Reaktionen waren vorübergehender Natur (2). Bei vielen Katzen (16) kam es bei Diätfütterung (Feuchtfutter) zur Remission, wobei meist auch die erneute Provokation mit dem ursprünglichen Futter keine Verschlechterung herbeiführte. Die im Vergleich zu anderen Untersuchungen hohe Prävalenz der Futtermittelüberempfindlichkeit bei den Katzen dieser Studie spricht für etwaige regionale Unterschiede. Denkbar ist auch, dass die höhere Prävalenz auf die intensive Diagnostik oder die gezielte Auswahl der Patienten durch die überweisenden Tierärzte zurückzuführen ist. Interessant sind die Futtermittel, auf die die Katzen mit Überempfindlichkeit reagierten. Glutenüberempfindlichkeit wurde, soweit dem Autor bekannt ist, bislang noch nie bei Katzen beschrieben. Die Provokationsstudien belegten, dass die Katzen zwar auf Weizen-, Gersten- und Glutenmehl, nicht aber auf Maisgluten (Maisgluten unterscheidet sich antigenetisch von Weizengluten) überempfindlich reagierten. Die Studie zeigte außerdem, dass Futtermittelzusatzstoffe bei dieser Gruppe von Katzen von keiner besonderen Bedeutung als Ursache für Überempfindlichkeitsreaktionen waren. Die einzige Katze mit erwiesener Überempfindlichkeit Zusatzstoffen gegenüber reagiert auch nicht auf einen einzigen, speziellen Zusatzstoff, sondern nur auf eine Zusatzstoffkombination. Die Beobachtung, dass Lammfleisch nach Rindfleisch an zweiter Stelle der auslösenden Futterkomponenten lag, sollte nicht überraschen, da die Studie in Neuseeland durchgeführt wurde, wo Lammfleisch ein häufiges Rohmaterial für Katzenfutter ist.

Abschließend läßt sich sagen, dass bei den untersuchten Katzen Futtermittelüberempfindlichkeit eine signifikante Ursache für chronische dermatologische und gastrointestinale Erkrankungen darstellte. Die höchste Prävalenz lag bei Katzen mit Pruritus in Verbindung mit Erbrechen oder Diarrhoe vor. Bei Unterlassen von Provokationsfütterungen mit der ursprünglichen Diät würde es zu einer Überschätzung der Prävalenz von Futtermittelüberempfindlichkeit kommen.

 


Literatur

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