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Diäten, die auf hydrolysierten Proteinen basieren, eröffnen neue therapeutische Perspektiven in der Dermatologie. In der Humanmedizin werden hydrolisierte Proteine schon seit langer Zeit eingesetzt. (Milch für Säuglinge mit Lebensmittelallergien)
Die Mechanismen der Allergie sind in der Veterinärmedizin noch weitgehend unbekannt. Diätetische Futtermittel als Mittel der Therapie sind jedoch für Dermatologen ebenso vielversprechend wie für Gastroenterologen. Die therapeutische Nutzung ihrer zahlreichen klinischen Wirkungen steht erst am Beginn.
Im Zuge der Forschung zum Einfluss der Diätetik auf die Haut haben Wissenschaftler am WALTHAM-Forschungszentrum ein in-vitro-Modell zur Untersuchung der Hautgesundheit entwickelt. Sie konnten damit zum ersten Mal den vorteilhaften Einfluss bestimmter Nährstoffe auf die Integrität der " Hautbarriere " zeigen.


Die Prävalenz von Futtermittelallergien und Futtermittelunverträglichkeiten ist nach wie vor Gegenstand kontroverser Debatten. Für Dermatologen repräsentieren sie zwischen 0 und 20 % aller Hunde und Katzen, die unter allergischen Dermatosen leiden.
a) Ein über- oder unterdiagnostizierter Erkrankungskomplex?
Die Diagnose dieses Erkrankungskomplexes ist für den praktischen Tierarzt sehr schwierig, da er sich zunächst der uneingeschränkten Mitwirkung des Patientenbesitzers über einen Zeitraum von mehreren Monaten versichern muss. Viele Besitzer lehnen die für die Bestätigung der Diagnose unerlässliche Provokationsdiät ab. In diesem Fall kann nicht geklärt werden, ob die nach der Futterumstellung eingetretene Besserung auf die Diät oder auf andere Faktoren zurückzuführen ist.
b) Eine unzuverlässige Symptomatik

Chronischer, hochgradiger, lokalisierter oder generalisierter JuckreizAsaisonalität - zu achten ist gleichwohl auf schubweise auftretende Symptome im Zusammenhang mit einer unregelmäßigen Zufuhr des auslösenden Allergens (z. B. Snacks)Schlechtes Ansprechen auf KortikoidePrädisposition : es gibt weder eine Rasse- noch eine GeschlechtsprädispositionAlter bei Beginn : Symptome werden gewöhnlich bei jungen Tieren festgestellt
Gelegentlich haben betroffene Tiere lediglich eine einfache Otitis. Andere Patienten werden aufgrund einer automutilationsbedingten, ulzerös-krustösen Dermatitis im Gesicht vorgestellt. Häufig sind Allergien hinter einer generalisierten Pyodermie oder einer Malassezia-Dermatitis verborgen. In diesem Fall muss der behandelnde Tierarzt zunächst durch die Bekämpfung der infektiösen Komplikationen " den Weg freimachen".
Die Symptome von Allergien und Futtermittelunverträglichkeiten sind sehr vielfältig und nicht pathognomonisch. Eine Futtermittelüberempfindlichkeit ruft Hautsymptome, Verdauungssymptome oder eine Kombination beider Symptomenkomplexe (in 13 % aller Fälle) hervor. Seltene Erkrankungen, wie zum Beispiel die lymphozytäre Follikulitis bei der Katze, haben gelegentlich diätetische Ursachen (Declercq, 2000). Bei Katzen werden darüber hinaus respiratorische (Rosser, 1992) oder neurologische (Leistra, 2002) klinische Symptome beobachtet.
 Katze 1 : Ulzerös-krustöse Dermatitis im Gesicht einer Perserkatze (Foto Manuel Aranda). Vor und 30 Tage nach einer Diät auf Basis hydrolysierter Sojaproteine.
 Hund : Juckreiz, ulzerös-krustöse Läsionen im Gesicht und Pododermatitis vor und nach einer Diät (Foto Ana Margarida Pedroso de Oliveira). Das erneute Auftreten der Symptome nach Wiedereinführung des ursprünglichen Futters bestätigt die Diagnose der Futtermittelallergie.
 Katze 2: Die klinischen Veränderungen einer Futtermittelallergie sind gelegentlich wenig aussagekräftig. (Foto Jean Pierre Calmon)
Die immunpathologischen Hintergründe der Futtermittelallergie sind weitgehend unbekannt, und im Gegensatz zur Humanmedizin sind die Allergietests für Tiere unzuverlässig. Dies gilt sowohl für die IgE-Bestimmung im Blut als auch für die Intradermaltests. Hautbiopsien weisen lediglich eine unspezifische perivaskuläre superfizielle Dermatitis nach, die Resultate lassen aber meist keine Rückschlüsse auf die zugrundeliegende Erkrankung zu.
Eine Eliminationsdiät, gefolgt von einer Provokationsdiät, die die Symptome erneut auslöst, ist die einzige zur Zeit bekannte Methode, um zu einer sicheren Diagnose zu gelangen. In der Praxis haben der Tierarzt und der Besitzer drei Möglichkeiten: Eine zu Hause hergestellte Diät, eine Diät auf Basis ausgewählter Proteine oder eine Diät mit hydrolisierten Proteinen. Die Eliminationsdiät wird im Durchschnitt über einen Zeitraum von acht Wochen (6 bis 12) verabreicht. Eine wichtige Voraussetzung ist, den Besitzer darüber aufzuklären, dass das Tier in der Testphase ausschließlich die verordnete Diät erhalten darf, das heißt, keine Snacks, keine aromatisierten Entwurmungsmittel, keine Gelatinekapseln, keine Zahncreme mit Geflügelgeschmack etc. Katzen müssen im Haus eingesperrt werden, und Hunde werden an der Leine spazieren geführt, eventuell mit Maulkorb, um die Aufnahme unbekannter Nahrung zu verhindern. Dermatologen halten zu Hause hergestellte Diäten für das Mittel der Wahl. In der Praxis erweist sich die Durchführung einer solchen Diät oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Gründe hierfür sind: Zeitmangel, die Verfügbarkeit der Zutaten, die Kosten, das Risikos von Kreuzkontaminationen (Hackfleischmühle in der Metzgerei, Messer, Kochgeschirr), die Ablehnung durch den Patienten und die Unausgewogenheit der Nährstoffe.
Futtermittelallergene sind im Allgemeinen wasserlösliche und gegenüber Hitze, Säure und Verdauungsenzymen beständige Glykoproteine. Pilze, Konservierungsmittel und Farbstoffe gehören zu den Nicht-Protein-Allergenen. Reaktionen auf Zusatzstoffe (z. B. Sulfite) werden zwar in der in der Humanmedizin häufig thematisiert, sie treten jedoch nur sehr selten auf. Bei Hunden und Katzen konnten solche Reaktionen bisher noch nie nachgewiesen werden.
Fehler, die es zu vermeiden gilt:
Hund |
Oberflächliche Anamnese |
Hautgeschabsel: Lokalisation, Anzahl, Tiefe, Technik |
Hautzytologie: Wahl der Läsionen, Technik |
Irreführende Labortests |
Übersehen sekundärer Infektionen |
Nichtberücksichtigung von Dermatophytosen |

Hund |
Unzureichende Flohbehandlung |
Symptomatische Juckreizbehandlung |
Vernachlässigung sekundärer Infektionen |
Missbrauch von Kortikoiden |

(Prélaud, 2002)
Dieser Begriff dient dem besseren Verständnis der Entstehung und Auslösung der klinischen Manifestationen der Erkrankung. Verschiedene Stimuli können in der Addition dazu führen, dass ein ausgeprägter Juckreiz entsteht. Besonders deutlich wird dies bei atopischen Tieren, bei denen ein erhöhtes Risiko einer Entwicklung anderer Allergien besteht, sei es eine Überempfindlichkeit gegenüber Flöhen oder eine Futtermittelallergie. Gelingt es, den Patienten mit Hilfe einer hypoallergenen Diät und eines effektiven Schutzes vor Ektoparasiten unterhalb dieser Juckreizschwelle zu halten, reicht dies häufig für einen Verzicht auf einen erneuten Einsatz von Kortikoiden aus.
Eine zu Hause hergestellte Diät mit einem Protein und einem Kohlenhydrat, die das Tier zuvor noch nie erhalten hat, kann kurzfristig für die Erstellung der Diagnose eingesetzt werden. Die Unausgewogenheit der Nährstoffe dieser Futtermittel verbietet jedoch eine längerfristige Anwendung. Bei der Umstellung von zu Hause zubereitetem Futter auf eine kommerzielle Diät gleicher Zusammensetzung treten bei bis zu 50 % aller Hunde die Symptome erneut auf (Tapp, 2002). Die zweite traditionelle Behandlungsoption besteht darin, dem Tier ein vollwertiges kommerzielles Futtermittel mit " ausgewählten Proteinen " (" Selected protein ") zu verabreichen. Aus praktischen Erwägungen empfehlen Spezialisten heute, mit einem vollwertigen " hypoallergenen " kommerziellen Futtermittel zu beginnen und im Falle des Misserfolgs auf eine zu Hause zubereitete Diät umzustellen (Vroom, 2002).
Das Diätfutter muss natürlich auch sämtliche für die Hautgesundheit erforderliche Nährstoffe zuführen. Immer noch gibt es seltene Fälle von Dermatosen diätetischen Ursprungs im Zusammenhang mit " Billigfuttermitteln ". Die Symptome sind vergleichbar mit denen der zinkresponsiven Dermatose (Cadiergues, 2002).
Vitamin A (Retinol) ist ein wesentlicher Faktor für das Wachstum und die Differenzierung von Keratinozyten. Bei Patienten mit Vitamin-A-Mangel beobachtet man ein stumpfes Fell, Alopezie, Schuppenbildung und eine erhöhte Anfälligkeit der Haut für bakterielle Infektionen. Vitamin E ist ein Antioxidans, das gleichermaßen an der Modulation und an der Freisetzung von Histamin beteiligt ist (Gueck, 2000). Das Spurenelement Zink hat eine wichtige Bedeutung für die Struktur und die Farbe des Haarkleides.



a) Proteinhydrolysate [Hydrolysierte Proteine]
Die Verringerung des in " Dalton "(*) gemessenen Molekulargewichts von Proteinen führt zu einer Abnahme ihres allergenen Potenzials.
Die Voraussetzung für eine Mastzelldegranulation, die zur Freisetzung von Histamin führt, ist eine Bindung von zwei Aminosäuresequenzen (Epitope) desselben Proteinmoleküls an zwei Immunglobuline auf der Oberfläche der Mastzellen. Die Verringerung der Größe der Proteine senkt die Wahrscheinlichkeit dieser Bindung zwischen Protein und Immunglobulinen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die hohe Verdaulichkeit der hydrolysierten Proteine. Sie senkt die Aufenthaltsdauer im Darm, so dass weniger Zeit für die Entwicklung von allergischen Reaktionen oder Unverträglichkeitsreaktionen zur Verfügung steht.
Sojaproteine haben eine ausgezeichnete biologische Wertigkeit, die nahe an die von Eipulver und Kasein herankommt. Dies gilt umso mehr, wenn dem Sojaproteinisolat Methionin zugesetzt wird. Das Hydrolysat hat dieselbe biologische Wertigkeit, enthält aber Peptide geringerer Größe. Die Verdaulichkeit des hydrolisierten Sojaproteinisolats liegt über 96%.
(*) Ein Dalton entspricht dem Gewicht eines Wasserstoffatoms


b) EPA und DHA
Die entzündungshemmenden Eigenschaften von essenziellen Fettsäuren sind heute gut bekannt: Essenzielle Fettsäuren haben einen positiven Einfluss auf die Fellqualität und den Juckreiz. Sie spielen eine wichtige strukturelle und biochemische Rolle in der Haut. Die Wahl der Fettsäurequelle (Leinöl, Borretschöl, Fischöl...) bietet die Möglichkeit zur Optimierung der entzündungshemmenden Wirkung. Darüber hinaus ist es von wesentlicher Bedeutung, dass Tiere mit Hauterkrankungen nur Fettsäuren der höchsten Qualität erhalten. Fischöl scheint die besten Ergebnisse zu liefern (Mueller, 2002).
c) " Hautbarriere "
Mit Hilfe eines minuziösen Screeningverfahrens konnten Wissenschaftler am WALTHAM-Forschungszentrum zeigen, dass die Zufuhr bestimmter Vitamine (Biotin, Pantothensäure, Nicotinamid, Pyridoxin, Cholin und Inositol) und Aminosäuren (Prolin und Histidin) die Synthese von Ceramiden steigert. Ceramide sind Lipide, die einen für die Kohäsion der Keratinozyten verantwortlichen " Zement " bilden. Die wichtigste Folge ist eine Verbesserung der Barrierenfunktion der Epidermis und die Reduzierung des transepidermalen Wasserverlustes. Das Ergebnis ist eine "weiche" Haut und eine deutliche optische Verbesserung der Haut- und des Fellqualität. Viele allergische Tiere, insbesondere atopische Hunde, leiden unter einer Insuffizienz der Hautbarrierenfunktion und dürften von diesen neuen Erkenntnissen profitieren.
Allergische Dermatosen sind komplexe Erkrankungen. Hydrolysierte Proteine stellen ein neuartiges diagnostisches und therapeutisches Werkzeug für den praktischen Tierarzt dar. Die Verbesserung der Hautbarrierenfunktion durch eine Erhöhung der Quantität und Wirksamkeit der Ceramide auf diätetischem Weg bringt dem Patienten und folglich auch seinem Besitzer und seinem Tierarzt einen zusätzlichen Vorteil.

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